Nach oben

Home

Wie geht Kombiklasse in der Praxis?

„Wie geht Kombiklasse in der Praxis?“ Konkrete Antworten auf diese Frage erhofften sich die Rektorin der Grundschule Rechenberg-Bienenmühle Rosemarie Israel, ihre vier Lehrerkolleginnen sowie der Elternratsvorsitzende Thomas Hetze und Pfarrer Michael Fischer, zugleich Elternratsmitglied, vergangene Woche von ihrem Besuch an der Hirschauer Grundschule.

Lehrerin Hildegard Feyrer, die zum dritten Mal eine Kombiklasse der Jahrgangsstufen 1/2 unterrichtet, und Rektor Hans Meindl enttäuschten die Erwartungen der Gäste aus der 2 000-Einwohner-Gemeinde aus dem Erzgebirge nicht. Über deren Friedrich-Schiller-Grundschule im Ortsteil Clausnitz schwebte das Damoklesschwert der Schließung. Grund ist der Geburtenrückgang. Aktuell besuchen 73 Mädchen und Jungen die (noch) vierklassige Grundschule – Tendenz weiter sinkend. Anders als in Bayern sah das sächsische Bildungskonzept bislang keine Bildung von jahrgangsübergreifenden Klassen vor. Genau dieses Instrument erscheint der Schulleitung und dem Elternrat in nahtloser Übereinstimmung mit Bürgermeister Werner Sandig und seinen Gemeinderatsmitgliedern als Rettungsanker für den Erhalt der Schule. Ab dem Schuljahr 2015/2016 sollen nach ihrem Willen an der Friedrich-Schiller-Grundschule jahrgangskombinierte Klassen gebildet werden. Die Hoffnung, dass man mit dem Konzept Erfolg haben wird, ist in letzter Zeit gewaltig gestiegen. Im sächsischen Kultusministerium hat man sich Gedanken über den Erhalt kleiner Schulstandorte gemacht und als Rezept die Bildung von Kombi-Klassen entdeckt.

Die Gäste aus Sachsen wurden in Hirschau nicht mit theoretischen Erklärungen abgespeist. Sie erlebten bei Hildegard Feyrer Kombiklassenunterricht live. 23 Kinder sitzen in ihrer Klasse. Davon sind 11 Erst- und 12 Zweitklässler. Beeindruckt waren die Gäste davon, wie schon wenige Tage nach Schuljahresbeginn das Helfersystem in der neu gebildeten Kombi-Klasse funktionierte. Die Zweitklässler übernahmen gerne und gekonnt ihre Rolle als Lehrerassistenten und wurden dabei von den Erstklässlern voll akzeptiert. Nicht weniger imponierte den Besuchern, wie selbständig schon nach wenigen Schultagen die ABC-Schützen ihre Arbeiten angingen. Dass in einer Kombiklasse der Computereinsatz und der Umgang mit Lernsoftware für Mathematik zum Schulalltag gehören, wurde während ebenso der Unterrichtsvorführung ebenso deutlich. Den Lehrkräften und Elternvertretern blieb aber auch nicht verborgen, dass das Führen einer Kombi-Klasse für die Lehrkraft eine nicht zu unterschätzende Zusatzbelastung bedeutet. Das beginnt bereits bei der Unterrichtsplanung und Vorbereitung. Während des Unterrichts ist der Lehrer ständig von der einen oder anderen Gruppe gefordert. Es gibt so gut wie keine Verschnaufpausen.

Rektor Meindl und Lehrerin Feyrer berichteten, dass für bayerische Kombiklassen eine Höchstschülerzahl von 25 Kindern gelte. In Sachsen werde – so Rektorin Israel – eine Höchstschülerzahl von 28 Kindern anvisiert. Die Schule bekomme zum Zwecke der Differenzierung pro Kombi-Klasse zwischen zwei und fünf zusätzliche Lehrerstunden zugeteilt. Wenn es an der jeweiligen Schule einen Förderlehrer gebe, könne dieser zusätzlich zur Unterrichtsdifferenzierung eingesetzt werden. Die Klassenleiter erhielten in ihren ersten beiden Kombijahren eine Schulstunde Ermäßigung von ihrem Pflichtstundenmaß. Rektor Meindl verwies darauf, dass die rechtlichen Bestimmungen unterschiedliche Modelle der Bildung von Kombiklassen zuließen. In Hirschau bilde man z.B. für die Jahrgangsstufen 1 und 2 zwei reine Jahrgangs- und eine Kombi-Klasse. An der Nachbarschule in Freudenberg hätten sich Schulleitung, Lehrerkollegium und Eltern für das Einrichten von drei Kombiklassen entschieden. Rektor Meindl verwies darauf, dass die Ehenfelder Grundschule - die kleinste Schule im Landkreis Amberg-Sulzbach - seit Jahrzehnten nur dank der Bildung jahrgangsübergreifender Klassen existieren könne.

Rektorin Rosemarie Israel bedankte sich im Namen ihrer Besuchergruppe für die freundliche Aufnahme in Hirschau. Man habe wertvolle Erkenntnisse in Sachen Kombiklasse gewonnen. Diese werde man in die anstehenden Planungen und Entscheidungen der nächsten Wochen einbringen. Man habe auf jeden Fall gelernt, dass der Unterricht in Kombiklassen keinen Nachteil für die Kinder bedeuten müsse. Voraussetzung sei in jedem Fall – wie in Hirschau - ein entsprechendes Engagement der Lehrkraft.

kombibesuch_1.jpg (83423 Byte) 

Wie geht Kombi-Klasse in der Praxis? Konkrete Antworten erhielten Rektorin Rosemarie Israel, ihre Lehrerkolleginnen und die Elternratsvertreter der Grundschule Rechenberg-Bienenmühle bei ihrem Besuch in der Hirschauer Grundschule. Bei Lehrerin Hildegard Feyrer (stehend) konnten sie Kombiklassenunterricht live erleben.