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Als Bub von Nazis eingesperrt

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts der 8. Klasse, in dem die Hitlerzeit und der Zweite Weltkrieg eine bedeutende Rolle spielen, wurde als Zeitzeuge der 90-jährige Alfred Hahn eingeladen, der vom Jungvolk über die Hitlerjugend, den Arbeitsdienst, den Krieg als Soldat und die Gefangenschaft am eigenen Leib erfahren hat und den Schülern davon berichtete.  

Als Vorbereitung hatten die Schüler einen Fragenkatalog zusammengestellt, der Einblick in das damalige Leben in der Hitlerzeit geben sollte. Als junger Bub, so meinte Alfred Hahn, bekam er damals wenig von Hitler selbst mit. Er war beim Jungvolk und musste auch eine uniformähnliche Kleidung tragen. Als er einmal die schwarze Hose nicht anziehen wollte, musste er für mehrere Tage ins „Hammerloch“. Das war die Hirschauer Bezeichnung für die Arrestzelle, die sich im Rathaus befand. Die Schüler waren sehr erstaunt, dass man als Kind schon eingesperrt werden konnte. Hirschau, das ja doch abseits der großen Städte lag, bekam man von der damaligen neuen  Zeit nicht allzu viel mit. Außer Geländemärschen , Singen von nationalsozialistischen Liedgut und Zeltlagern in der Hitlerjugend ging die Weltpolitik an ihnen vorbei. Auf die Frage, ob er Hitler einmal persönlich getroffen habe, sagte er, dass er ihn zweimal am Parteitag in Nürnberg gesehen hätte, nur aus weiter Ferne aber. Auch ob er für oder gegen  das damalige Regime gewesen sei, lautete die Antwort von Hahn : „Wir waren arme Arbeiterkinder unser Vater war arbeitslos und auf einmal hatte er durch Hitler eine Arbeit und uns ging es besser. Das fanden wir damals als gut“.  Von den Schülern auf den Ausbruch des zweiten Weltkrieges angesprochen sagte er: „Wir hörten und lasen zwar schon davon  aber viele hatten damals keine Tageszeitung  und ein Radio  konnten wir uns sowieso nicht leisten. Erst als mein Stiefvater 1940 selber an die Front rücken musste, merkten wir, dass der Krieg auch uns erreicht hatte“. Alfred Hahn erinnerte sich, dass er  selber im Februar 1941 zum Reichsarbeitsdienst  nach Offenburg am Rhein eingezogen worden sei, wo er täglich mit dem Rad und dem Spaten auf dem Gepäckträger nach Kehl gefahren und am Weiterbau des Westwalles zu helfen. Kaum sei er nach seinen Aussagen am 20.Dezember.1941 aus dem Arbeitsdienst entlassen worden, sei er  am nächsten Tag zur Wehrmacht eingezogen worden. Er sei  zur sechsten Armee nach Russland gekommen und hier auch vor Stalingrad im Einsatz gewesen. „Dort herrschte eisige Kälte und als ich einmal die Stiefel auszog, blieb ein Teil der Zehen einfach im Stiefel. Seitdem habe ich keine Zehen mehr“, berichtete Alfred Hahn. Er fuhr fort, dass auch der Hunger sehr groß gewesen sei, sodass sie ihre  Pferde geschlachtet hätten. „Von manchen hörten wir auch, dass  der Hunger sie zum Kannibalismus trieb“, erzählte Alfred Hahn. Er erinnerte sich weiter, dass er kurz vor Kiew in der Ukraine seine erste Verwundung, einen Streifschuss am Hals, bekommen hätte. „Ich hatte Glück wie immer in meinem Leben, denn dadurch wurde ich als einer der Letzten ausgeflogen .Wäre mir das nicht passiert so wäre ich in Stalingrad geblieben und hätte mit meinen Kameraden die Gefangenschaft und den sicheren Tod vor Augen gehabt“, machte der Kriegsveteran bewusst. Auf die Frage, wie er rückblickend die ganze Zeit bewertet, sagte er nur zwei Worte „Nie wieder!“ Nach einem längeren Lazarettaufenthalt sei Hahn nach seinen Erzählungen  wieder in den Einsatz gekommen, aber der Verwundung wegen nicht mehr an die Front, sondern nach Mindelheim als Wachmann in ein Gefangenenlager. Bei Kriegsende hätte es ihn nach Österreich verschlagen, wo er Ende April mit einigen Kameraden  über die Alpen nach Deutschland, oder wie es damals geheißen hätte, heim ins Reich wollte, fuhr Alfred Hahn fort. Nachdem er nach seinen Erzählungen sein Gewehr in einen Fluss geworfen hatte, wurde er von den Amerikanern gefangengenommen und nach Bad Neuenahr in das damals berüchtigte Gefangenenlager der Amerikaner gebracht, wo Tausende von Gefangenen damals an der Ruhr gestorben oder verhungerten seien. „Mein Glück hat mich auch hier nicht verlassen und so hat uns der Ami an die Franzosen verkauft und ich kam in französische Gefangenschaft in die Nähe von Lyon zu einem Weinbauern“, berichtete Hahn. Den Verhältnissen entsprechend seien sie von den Bauern gut behandelt worden, sodass er  1948 aus der Gefangenschaft nach Hirschau gesund in die Heimatstadt zurückgekehrt sei, endete Alfred Hahn seine fesselnden Ausführungen.

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